Und das ist eins der Geheimnisse von Sophies Erfolg. Lies unten das Interview mit der französisch-kanadischen Bloggerin, über ihren gewagten Karrierewechsel, bis hin zu vielen Tipps für neue Food Blogger. Viel Spaß beim Weiterlesen!

Hallo Sophie! Für diejenigen, die Deinen Blog noch nicht kennen, wie würdest Du The Green Life beschreiben?

The Green Life ist ein zweisprachiger (Englisch & Französisch) Rezepte- bzw. Foodblog der pflanzliche Ernährung, Vollwertkost, sowie saisonale Rezepte in den Mittelpunkt stellt. Die meisten Rezepte sind vegan, oftmals auch glutenfrei. Die Inhalte sind 100% natürlich, gesund und nahrhaft. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch genussvoll sein kann. Ich glaube, dass Essen zu den wichtigsten Lebensgenüssen zählt und es muss einfach genießbar sein. Meine Essenphilosophie dreht sich nicht um eine spezifische Diät oder darum, anderen vorzugeben, was sie essen dürfen und was nicht. Es geht nicht um Verzicht oder Einschränkungen, ganz im Gegenteil. Im Leben geht es darum, das richtige Gleichgewicht zu finden und das ist, was ich in meinen Rezepten, in meinen Kreationen, widerspiegeln möchte. The Green Life zeigt, wie genüsslich, ja sogar verführerisch lecker, bis hin zu dekadent, gesundes Essen sein kann. Ich will andere inspirieren öfter zu kochen und dabei echte, natürliche Zutaten zu benutzen. Der Blog hat eine Health Section, wo ich auch ab und zu über Wellness und ganzheitliche Gesundheit schreibe. The Green Life soll Leser inspirieren, ihre Lebensfreude durch bewusste und vollwertige Essgewohnheiten auf höchstem Niveau auszukosten und zu erleben.

Du schreibst auf Englisch und Französisch. Inwieweit beeinflussen Deine Sprachen Deine Rezepte?

Ich komme ursprünglich aus Montreal, aber lebe jetzt in Toronto, einer der größten multikulturellen Metropolen weltweit. Meine Rezeptkreationen werden durch meine französisch-kanadischen Wurzeln, wie auch die Einflüsse, die ich im Alltag dieser pulsierenden Stadt erlebe, geprägt. Ich habe hier direkten Zugang zu einer enormen Auswahl internationaler Essensrichtungen; Restaurants und ethnic foods, also Essen aus unterschiedlichsten Regionen und Ländern. Das ist für eine Essensliebhaberin wie mich ein absoluter Luxus. Die Vielfalt der kulinarischen Traditionen fasziniert mich. Ich liebe es zu sehen, wie verschiedene Kulturen gleiche Zutaten in unterschiedlichen Art und Weisen benutzen, wie sie ihre eigene kulinarische Herkunft bestimmen und dabei ihre Essensidentität definieren. Ich würde daher sagen, dass meine Kochkreationen gerade von dieser Vielfalt sehr geprägt werden.

Sophie, im Jahr 2015 hast Du den Entschluss gefasst, Deinen hektischen Firmenjob aufzugeben, um Dich voll und ganz Deinem Foodblog zu widmen. Was war bei diesem Entschluss das Schwierigste? Welche Hürden musstest Du überwinden?

Ich kann es nicht schönreden, so eine Entscheidung zu treffen, war wirklich nicht einfach und auf dem Weg musste ich einige Hindernisse überwinden. Erst nach monate-, nein, jahrelangem Überlegen und Abwägen habe ich mich getraut den endgültigen Schritt, Food Bloggerin zu werden, zu wagen. Die größten Hürden, die ich überwinden musste, waren meine eigenen Ängste und Unsicherheiten. Angst vor dem Unbekannten, Angst davor, etwas aufzugeben in dem ich angeblich so gut war, Angst vor den Beurteilungen anderer, Angst zu versagen. Ich habe einen gut bezahlten und hoch angesehenen Job aufgegeben und mit 30 Jahren wieder ein Studium aufgenommen, um dann eine ganz neue Richtung einzuschlagen. Ich habe dabei gelernt mir selbst zu vertrauen, besonders meinem Bauchgefühl. Im Zweifel eher auf das Bauchgefühl als auf den Kopf zu hören, das war eine große Lektion für mich. Unser Bauch, bzw. unser Herz weiß meistens besser was gut für uns ist als der Kopf. Man muss dabei aber auch runterschalten, Pause machen und einfach mal zuhören was uns unser Inneres sagt. Ich glaube fest daran, dass man seinen Leidenschaften nachgehen muss, selbst wenn sie zu Beginn nicht sinnvoll erscheinen oder einen einschüchtern. Wenn man es aber wagt, können erstaunliche Dinge passieren. Als ich meinen Job gekündigt hatte, wusste ich sofort, es gibt kein Zurück mehr und ich wusste gleichzeitig, dass ich die beste Entscheidung meines Lebens getroffen hatte.

2014 hast Du dann "Holistic Nutrition" studiert. Wie hat dieses neue Wissen die Art und Weise, wie Du bisher Ernährung und Gesundheit sahst, verändert?

Das Witzige ist, dass ich früher immer zu wissen glaubte, was gesundes Essen ist. Ich selbst richtete mich voll und ganz nach einem (ja angeblich) super gesunden Lebensstil - bis ich das Studium anfing. Ganz schnell habe ich gemerkt, wie wenig ich über den menschlichen Körper und das Essen auf meinem Teller wusste. Das "Holistic Nutrition"-Studium hat mir die Augen weit geöffnet. Heute bin ich so dankbar für das neu angeeignete Wissen. Tagtäglich werden wir mit widersprüchlichen Informationen zu gesundem Essen und Wohlbefinden bombardiert. Ständig wird ein neuer Trend vom nächsten überholt. Jede Woche erscheinen Studien, die neue Erkenntnisse aufzeigen und damit unser Wissen zum Thema Ernährung immer weiterentwickeln - es ist ein faszinierendes Gebiet. Das Studium hat mir vor allem gezeigt, wie bedeutsam Vollwertnahrung für unseren Körper ist. Dieses Bewusstsein hat zum einen wie ich zu Hause koche, und zum anderen die Entscheidungen, die ich tagtäglich treffe, neu geprägt. Die erlernten Inhalte meines Studiums wollte ich sofort mit Rezepten ausprobieren und in der Küche einbringen. So habe ich dann meine Vorliebe für das Kochen entdeckt. Ich habe The Green Life gegründet um dieses Know How und meine Kreationen mit anderen zu teilen.

Woher holst Du die Inspiration für Deine Gerichte?

Aus den verschiedensten Ecken. Die Ideen für meine eigenen Rezepte stammen oftmals von einer bestimmen Zutat, die ich auf dem Wochenmarkt aufspüre. Ob es das frisch geerntete Grünkraut, die perfekt gereifte Tomate oder der saftig-süße Pfirsich ist, alles regt meine kreative Ader an. Ich richte mein Kochen nach dem, was gerade Saison hat und was um mich herum angeboten wird. Auch viele andere Foodblogger regen mich zu neue Kreationen an - Instagram besonders. Ich finde es immer wieder berauschend zu sehen, wie einfallsreich Leute mit Essen sind und wie groß diese Foodie Community doch ist. Das ist doch ein Vorteil unserer Zeit und den sozialen Netzwerken (so schlimm das auch klingen mag!). Sie ermöglichen uns in Verbindung zu stehen und Ideen rund um das Essen mit so vielen talentierten Köpfen weltweit zu teilen. Es ist einfach toll die Inspiration auf so vielen Wegen anzuregen, egal ob es durch eine einzige Zutat, ein Rezept, einer kulinarischen Geschichte, eine visuelle Inspiration, einen einfachen und doch atemberaubenden Teller, oder eine ansprechende Anrichteweise ist, alles zählt.

Welches ist zurzeit Dein Lieblingsrezept?

Mein Geschmackssinn entwickelt sich ständig weiter und richtet sich vor allem nach den Jahreszeiten. Im Winter liebe ich gute wärmende Gerichte. Warme Suppen und nahrhafte Schalen. Wenn der Frühling vor der Tür steht, sehne ich mich nach leichteren Gerichten, großen bunten Salattellern und einfachen Toasts. Langsam verändert sich das Wetter hier in Toronto, aber noch ist es kalt, also mache ich momentan gerne Salate mit gerösteten Gemüse. Mein gerösteter Karotten- und Fenchel Salat mit Orangen-Tahini ist mein derzeitiger Liebling. Einfach vorzubereiten und ich kann mich nicht daran satt essen. Es ist immer wieder ein Genuss. Ich liebe es, wenn Gerichte einfach zu machen und gleichzeitig so schmackhaft sind. Ich will nicht jedes Mal stundenlang in der Küche stehen, besonders nicht, wenn so viel anderes noch ansteht. Dafür ist dieses Rezept einfach immer das Richtige.

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Einen Foodblog aufzubauen ist eine Menge Arbeit. An welcher Stelle hast Du gemerkt, hoppla, mein Blog wird richtig gut angenommen? Woran denkst Du lag es?

Dies ist eine ganz interessante Frage, weil ich denke, dass Erfolg und seine Messbarkeit doch relativ ist. Es gab nicht einen bestimmenden Moment wo ich dachte, so, jetzt ist The Green Life bekannt. Es überrascht mich immer wieder wenn jemand meine Rezepte ausprobiert, ich eine Email von einem Leser erhalte, der erzählt wie der Blog ihm oder ihr dabei geholfen hat einen gesünderen Lebensstil zu finden. Ich habe meinen Blog vor ungefähr 8 Monaten begonnen und seitdem ist er langsam aber konstant gewachsen. Ich glaube so ist es für die meisten, die einen Foodblog starten, es ist ein langsamer und stetiger Prozess. Als Foodblogger haben wir so viele Herausforderungen. Es gibt so viele unglaubliche Foodblogs und man verirrt sich gerne im Labyrinth der Vergleiche. Es wird immer jemanden geben der besser im Schreiben ist, bessere Aufnahmen macht oder mehr Leser hat. Es wird immer Verbesserungspotential geben und genau das ist das Spannende an der Sache. Einen Blog aufzubauen geschieht nicht von heute auf morgen, es braucht Zeit. Dabei ist es wichtig, den Weg der Entwicklung zu genießen und nicht nur auf das Ziel hinzusteuern.

Hast Du schon irgendwelche Zukunftspläne für Deinen Food Blog?

Ich habe eine Menge Ideen und Dinge die ich mit The Green Life, aber auch über den Blog hinaus machen möchte. In diesem Moment versuche ich mehr in der Küche rumzuexperimentieren, meine kulinarischen Kenntnisse zu verstärken. Ich will mehr freiberuflich tätig sein, mich im Bereich Food Styling und Fotografie weiterentwickeln und verbessern. Ich liebe Fotografie, ein Bereich, auf den ich mich weiter spezialisieren möchte. Ich komme aus dem Medienbereich und mit Videos zu experimentieren, würde mir auch als nahe liegen. E-books erstellen. Und mein allergrößter Traum, ein "The Green Life"-Kochbuch!

Welchen Rat würdest Du neuen Food Bloggern auf den Weg geben?

Als Erstes, finde deine Nische und halte dich an sie. Versuch nicht jeden anzusprechen. Fokussiere dich auf eine bestimmte Sache und werde ein Experte darin. Bleib dran und sei geduldig. Einen Blog aufzubauen benötigt viel Anstrengung und Hingabe. Veröffentliche jede Woche etwas Neues und halte dich daran, egal wie beschäftigt du sonst noch bist. Bleib dran. Aber stell sicher, dass die Qualität deiner Inhalte stimmt und sehr gut ist. Und hab Geduld. Es braucht Zeit. Erfolg kommt nicht über Nacht, sondern mit kleinen Schritten. Und mit jedem kleinen Fortschritt den du schaffst wirst du auch mehr Leser dazugewinnen. Und mein allergrößter Rat ist: lerne richtig gute Bilder zu machen. Die heutige Welt ist sehr visuell gesteuert und Foodblogger werden immer besser darin ausgezeichnete Fotos zu machen. Die visuelle Komponente beim Essen ist enorm wichtig. Es muss ansprechend sein bevor jemand überhaupt auch nur in Erwägung zieht, dass Rezept selber auszuprobieren. Belege einen Fotokurs, sieh online Videos an, lies über Fotografie, studiere die Bilder deiner Lieblings-Foodblogger und übe jeden einzelnen Tag. Gute Bilder machen einen enormen Unterschied aus. Und vergiss nicht, dabei Spaß zu haben und die Entwicklung zu genießen!

Sophie Bourdon
Holistic Nutritionist, Food Stylist & Photographer
www.thegreenlife.ca


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